Der Film
Der exzentrische Millionär Enderby wird tot aufgefunden - von niemand anderem als Miss Marple, die im Gegensatz zur Polizei sofort einen Mord wittert. Zusammen mit ihrem Mitstreiter Mr. Stringer belauscht sie die Testamentsverlesung der Familie Enderby, auf der erstaunliches passiert: eine der Erben, die Malerin Cora Landsquenet, behauptet daß Mr. Enderby ermordet worden sei. Um der Sache auf den Grund zu gehen, will Miss Marple Cora besuchen - und findet auch sie ermordet auf! Daraufhin quartiert sich die Hobbydetektivin in Hector Enderbys Reithotel ein, in der sich die Erben versammelt haben und beginnt die Suche nach dem Mörder...
Nach dem überwältigenden Erfolg von Murder She Said stand weiteren Miss-Marple-Verfilmungen nichts mehr im Weg. 1963 nahm sich der britische MGM-Chef Lawrence P. Bachmann zusammen mit George H. Brown der Produktion an, das Team blieb aber fast das gleiche - das Erfolgsrezept war schließlich programmiert. Das Drehbuch lieferte diesmal nicht das Gespann David Pursall und Jack Seddon, sondern der amerikanische TV-Serienautor James P. Cavanagh.
Die Suche nach einer geeigneten Miss-Marple-Geschichte, die auf die eigenwillige Interpretation von Hauptdarstellerin Margaret Rutherford paßte und dem Kinopublikum genügend Spaß bereiten mußte, trieb die Filmemacher zu einer ungewöhnlichen Entscheidung: es wurde zwar eine Romanvorlage von Agatha Christie verwendet - aber eine, in der nicht Miss Marple, sondern Hercule Poirot die Hauptfigur ist. After the Funeral wurde auf die "neue" Miss Marple umgeschrieben, und das mit einem recht bemerkenswerten Ergebnis: obwohl die alternde Detektivin immer noch aktiver ist als sich es Agatha Christe vorgestellt hat, kommt der Film der Original-Idee schon sehr nah.
Auch Murder at the Gallop, so der Titel des umgebauten Romans, wurde wieder mit englischen Charakterdarstellern in den Nebenrollen besetzt, allen voran Robert Morley, der hier die perfekte Inkarnation eines steifen, arroganten Briten gibt. Die Ein Wiedererkennungswert bieten natürlich Stringer Davis als Miss Marples "Assistent" und Charles Tingwell als Inspektor Craddock, deren Rollen hier etwas mehr ausgebaut wurden, aber in erster Linie als humorvolle Einlagen dienen.
Die ernste Seite kommt hier, wie bei Agatha Christie üblich, von einer Ansammlung von gegeneinander intrigierenden Charakteren, die von den Nebendarstellern hier solide gespielt werden. Zusammen mit Margaret Rutherford dominiert die britische Bühnendarstellerin Flora Robson als zurückhaltende Miss Milchrist die anderen Rollen, die dagegen fast an Bedeutung verlieren.
Die Story ist selbstverständlich wieder eine klassische Mördersuche à la Christie, die auf dem gleichen Grundrezept wie Murder She Said basiert, aber genug Variation besitzt um nicht zu langweilen. Der Reiz besteht in Murder at the Gallop auch wieder am Ort der Mördersuche - hier ist es ein Reithotel, das gleichermaßen Gelegenheit für Spannung und Humor gibt. Wieder einmal hat man es mit einer Ansammlung von Leuten zu tun, die sozusagen alle eine Leiche im Keller haben und zu Beginn erstmal alle höchst verdächtig sind. Auch wenn das Schema hier wieder das gleiche wie bei vielen anderen Detektivgeschichten ist, macht die auch im Film noch einigermaßen Detailreiche Charakterisierung der Verdächtigen den großen Unterschied.
Wenn man Murder She Said schon gesehen hat, dann dürfte die routinierte, handfeste Inszenierung von Regisseur George Pollock hier keine große Überraschung mehr sein. Der Film wurde ohne großen Aufwand gedreht, aber in der Dramaturgie wurde wirklich nicht gespart. Ron Goodwin liefert wieder eine musikalische Untermalung, die einerseits aus dem schon bekannten Miss-Marple-Thema besteht, aber dies nicht ausschließlich verwendet und die vielen spannungsgeladenen Szenen mit der entsprechenden Musik unterstützt. Wie immer macht auch hier die besondere Mischung aus guten Schauspielern, bodenständiger Inszenierung und ohrwurm-verdächtiger Musik aus Murder at the Gallop keinen x-beliebigen Krimi, sondern eine echte Miss Marple Murder Mystery.
Die deutsche Synchronisation ist bei diesem Film wieder sehr gut gelungen, obwohl Margaret Rutherford mit Ursula Krieg eine neue deutsche Stimme bekam und Charles Tingwell plötzlich von Harald Juhnke gesprochen wird - aber die Atmosphäre der Originalversion wird dadurch trotzdem gut wiedergegeben. Der Titel "Der Wachsblumenstrauß" stammt von der deutschen Romanübersetzung und hat so gut wie gar nichts mehr mit der geänderten Handlung des Films zu tun - es gab aber auch einige frühe Kopien des Films, die den weitaus sinnvolleren Titel "Der Mörder sitzt am Tisch" trugen.
Die DVD
Murder at the Gallop erschien im Dezember 2003 erstmals
zusammen mit den anderen drei Miss-Marple-Filmen als DVD in Deutschland.
Von Warner Home Video als schnelle Veröffentlichung zum Weihnachtsgeschäft
gedacht, ist die Qualität zwar besser als eine Videokassette, aber für
eine DVD sehr enttäuschend - erst mit dem Erscheinen der amerikanischen
DVDs im März 2006 wurde eine wirklich gute Version des Films herausgebracht.
Weitere Reviews:
RC1: Murder She Said | Murder
at the Gallop | Murder Most Foul |
Murder Ahoy
RC2: Murder She Said | Murder
at the Gallop | Murder Most Foul |
Murder Ahoy
Vergleiche: Murder She Said |
Murder at the Gallop | Murder
Most Foul | Murder Ahoy
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Bild
Hier gilt im wesentlichen das gleiche, was schon bei der
alten deutschen DVD von Murder She Said
zu beobachten war: wieder wurde ein altes TV-Master eingesetzt, das genauso
wie beim ersten Film leicht aufgezoomt wurde, um die unregelmäßigen
dünnen Balken zu eliminieren. Der Vorspann ist hier in 1.85:1, danach
sieht man wie die Matten wegscrollen, aber auch ins Bild hineingezoomt
wird. Oft sieht man am oberen und unteren Bildrand aber immer noch unscharfe
Reste von den Balken, die aber im Overscan-Bereich der meisten Fernseher
verschwinden dürften.
Die Bildqualität ist leider nicht ganz so gut wie bei Murder
She Said, da die Filmvorlage in einem deutlich schlechteren Zustand
ist. Es sind nicht nur mehr Kratzer und andere Beschädigungen sichtbar,
auch der Bildstand ist sehr unruhig und manchmal flattert das ganze Bild
so stark, daß dafür nur eine größere Beschädigung
der Filmstreifen-Perforation verantwortlich sein kann. Die Schärfe
ist auch nicht optimal, aber immer noch in einem akzeptablen Rahmen. Mit
der reduzierten Schärfe kommt auch eine erhöhte Körnigkeit,
was zusammen mit den Bildstandprobleme auf den Einsatz eines nicht mehr
ganz intakten Kinoprints schließen läßt. Auch hier sind
wieder Kratzer, Fussel zu sehen, die aber nur um die deutlich sichtbaren
Aktwechselmarkierungen etwa alle zwanzig Minuten gehäuft auftreten
und sonst nur selten stören.
Erfreulich ist lediglich die gut ausgeglichene Helligkeit und ein ordentlich
angepaßter Kontrast, die die klassische Schwarzweiß-Kameraarbeit
besser zur Geltung kommen läßt als z.B. in den deutschen TV-Versionen,
die wirklich nur aus schwarz und weiß zu bestehen scheinen. Dennoch
bekommt man hier eine Bildqualität geboten, die für ein digitales
Medium nun wirklich nicht geeignet ist.
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Ton
Auch der Ton macht sich nicht mehr ganz so gut wie bei
der ersten DVD, fällt aber nicht so stark ab wie die Bildqualität.
Man hat schon mehr das Gefühl, daß die Vorlagen Lichttonspuren
und keine Magnetband-Master waren, denn der Klang ist sehr spitz und hat
besonders an leisen Stellen ein deutlich hörbares Rauschen.
Die englische Tonspur bietet problemlos verständliche Dialoge, die
aber dem etwas unsauberen Klang nach offenbar alle auf dem Filmset aufgenommen
wurden. Die deutsche Fassung klingt weitaus steriler - die Stimmen haben
alle einen deutlichen Tonstudiocharakter, und auch einige Hintergrundgeräusche
wurden eingespart oder sind zu leise. Der Rauschpegel ist genauso hoch
wie bei der englischen Tonspur, beide Fassungen haben aber nur geringfügige
Verzerrungen.
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